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Rezension Münchner Merkur 8. Dezember 2005

Von Christiane Pütter

 

Blümchen für Mami und Mama

Für wen sind die Blümchen, die das kleine blonde Mädchen auf dem Foto lachend in die Höhe reckt? Für Mami? Oder für Mama? Stephanie Gerlach lächelt. „Unsere Tochter unterscheidet da ganz genau“, erzählt sie. „Ich bin Mami, meine Frau Mama.“ So wie dem kleinen Mädchen geht es in München rund 15 000 Kindern: Ihre Mütter sind lesbisch. Stephanie Gerlach hat darüber ein Buch geschrieben, aus dem sie am Freitag in der Pasinger Fabrik vorliest.

Nicht jedes Kind fragt nach dem Vater.

„Und was sagen die Kinder dazu?“ lautet der Titel von Stephanie Gerlachs Buch. Mit 36 Töchtern und Söhnen von lesbischen und schwulen Eltern hat sie gesprochen. „Es wird so viel darüber spekuliert, wie es diesen Kindern geht“, sagt die 44-jährige Sozialpädagogin nachdenklich. Der Vorurteile gibt es viele: Die werden doch alle selber schwul. Die haben doch solche Probleme. Die wollen doch wissen, wer der Vater ist. Stephanie Gerlach: Ich wollte die Kinder selbst zu Wort kommen lassen.“

Und das haben die Mädchen und Buben genutzt. „So ein Buch hätte ich selber gerne gelesen“, seufzte einer der Befragten. Denn das treibt sie alle um: Wie geht es anderen, die auch in dieser Situation sind? „Er ist wichtig, dass homosexuelle Eltern Netzwerke bilden, damit ihre Kinder sich kennen lernen“, sagt Stephanie Gerlach.

Das Fazit aus den Interviews? Die Sozialpädagogin lacht. „Die Geschichten der Kinder sind so unterschiedlich wie sie selbst.“ Ein Heile-Welt-Buch ist es nicht. Der elfjährige Manuel zum Beispiel ist so einer, der von seinen beiden Müttern gern gewusst hätte, wer der Vater ist. ‚Das wär’ schön, wenn ich den kennen würde’, hat er Stephanie Gerlach erzählt. Das wird nicht gehen. Seine Mutter ist per Samenspende schwanger geworden, anonym. Doch Stephanie Gerlach stellt klar: „Nicht für alle Kinder ist das ein Thema, manche interessieren sich nicht für ihren biologischen Vater.“

Weniger leicht haben es schwule Paare. Wenn nicht einer der Männer ein Kind aus einer früheren heterosexuellen Partnerschaft hat, bleibt ihnen meist nur, ein Kind zur Pflege aufzunehmen, bis es in seine Herkunftsfamilie zurück geht.

Mit ihrem Buch will die Sozialpädagogin erreichen, dass sich ein Gedanke durchsetzt: Wichtig ist, dass Kinder in einer harmonischen Familie aufwachsen“, sagt sie. „Das Geschlecht der Eltern ist dabei zweitrangig.“

Münchner Merkur 10./11.Dezember 2005


Unterm Strich: (Das PLUS der Woche)

Stephanie Gerlach, Aufklärerin, sagt Ja zur Familie: Die Sozialpädagogin setzt auf Wissen statt Vorurteile und hat ein Buch über Kinder von lesbischen Müttern und schwulen Vätern geschrieben.

Fazit: Wichtig ist, dass die Kinder in Harmonie aufwachsen – ob nun bei homo- oder heterosexuellen Elternpaaren.