Vorwort
von
Klaus Wowereit
Kinder brauchen Eltern, die ihr Kind achten und beachten, die es behüten, die einfach da sind, die ihnen Wärme geben und Geborgenheit. Für ein Kind, das viel Liebe erfährt, mag es daher zunächst gewiss unerheblich sein, ob die Eltern nun heterosexuell sind oder ob es etwa mit zwei Müttern aufwächst.
Leider sieht das manch Außenstehender auch heute noch anders. Schwul-lesbisches Leben ist zwar weitaus selbstverständlicher geworden als noch vor wenigen Jahren, aber über gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit Kind gehen die Meinungen nach wie vor weit auseinander. Da werden Vorbehalte laut, da sorgt sich manch einer um die Entwicklung des Kindes, da trauen andere zum Beispiel zwei Vätern die Elternrolle nicht zu.
Wie aber gehen Kinder mit solchen Vorurteilen um? Müssen sie im Alltag Spott und Hänseleien ertragen, nur weil ihre Eltern homosexuell sind? Welche Unterstützung erhoffen sie sich von ihren Eltern? Diesen und ähnlichen Fragen geht dieses Buch nach. Hier kommen Kinder aus Regenbogenfamilien selbst zu Wort. Sie erzählen von ihren Erfahrungen, von ihren Erwartungen an Elternhaus, Schule und das gesamte Umfeld, von ihren Hoffnungen, Träumen und Wünschen. Aufklärung und ein offensiverer Umgang mit dem Thema Homosexualität steht dabei für viele ganz oben auf der Wunschliste.
Deshalb verstehe ich dieses Buch auch als Aufruf an uns alle, für noch mehr Gleichberechtigung, Toleranz und auch Offenheit in unserer Gesellschaft zu sorgen. Ich wünsche mir ein Klima, in dem sich Kinder – egal, aus welchem Elternhaus sie nun kommen – jederzeit wohl und respektiert fühlen können und in dem es keine Rolle spielt, ob jemand schwul oder heterosexuell, katholisch oder jüdisch, türkischer oder deutscher Herkunft ist.
In diesem Sinne wünsche ich diesem Buch sehr
viele Leserinnen und Leser.



